Bei tief stehender Sonne sicher fahren

Fahrer auf einer Straße bei tief stehender Sonne, die Sonne blendet, die Blende ist unten
Fahrer auf einer Straße bei tief stehender Sonne, die Sonne blendet, die Blende ist unten

Tief stehende Sonne nimmt dir Kontraste, nicht nur Komfort. Fußgänger, Radfahrer und der Fahrbahnrand verschwinden im Gegenlicht, und dasselbe gilt für alle, die dir entgegenkommen. Du fährst so, dass du innerhalb der Strecke anhalten kannst, die du wirklich siehst, und machst dich selbst mit Licht sichtbar.

Auf einen Blick

  • Blende runter, Scheibe sauber, Licht an. Eine dunkle Brille nur, wenn du Schatten und Ampeln noch erkennst.
  • Tempo an die sichtbare Strecke anpassen. Der Reaktionsweg wächst, weil du später erkennst.
  • Blick an den rechten Fahrbahnrand oder auf die Leitlinie, nicht in die Sonnenscheibe.
  • Andere sind genauso geblendet. Abstand und kein knappes Überholen.

Warum die Sicht trügt

Die Sonne steht morgens und abends flach über der Fahrbahn. Schmutz und Schlieren auf der Scheibe streuen das Licht und machen aus einem klaren Tag eine Milchglasscheibe. Die Sonnenblende hilft gegen den direkten Strahl, sie ersetzt keine saubere Scheibe und kein geringeres Tempo.

Du erkennst Hindernisse später. Damit wird der Reaktionsweg länger, noch bevor die Bremse arbeitet. Der Zusammenhang steht unter Bremsweg und Anhalteweg. Der praktische Puffer ist ein größerer Sicherheitsabstand und weniger Tempo. Eine Merkhilfe vom trockenen Mittag gilt in diesem Licht nicht weiter.

Auf dem Motorrad kommt das Visier dazu. Eine starke Tönung, die in den Schatten führt, macht die Fahrbahn dunkel. Was du zur Schutzkleidung und zum Visier mitnimmst, steht unter Motorrad-Schutzkleidung. Im Auto gilt dasselbe für die Brille: Sie darf den Blick in den Schatten nicht auslöschen.

Wann du langsamer wirst, statt durchzublinzeln

Sobald du den Gegenverkehr, den Fahrbahnrand oder ein Fahrzeug vor dir nur noch als Silhouette siehst, ist das Tempo zu hoch für die Sicht. Du nimmst es heraus, auch wenn das erlaubte Limit höher liegt. Das Limit ist die Obergrenze bei guter Orientierung, nicht eine Pflicht, sie bei Blendung auszunutzen.

Überholen lässt du, wenn du die Gegenfahrbahn nicht vollständig übersiehst. Ein Radfahrer im Gegenlicht ist besonders leicht zu übersehen. Ohne Sicht und ohne Seitenraum bleibst du dahinter, wie unter Sicher überholen beschrieben. An Waldrändern kommt Wildwechsel hinzu, weil Tiere im Streiflicht noch später auffallen.

Vor einem Tunnel oder einer Unterführung wechselst du von grellem Licht in Dunkelheit. Die Augen brauchen einen Moment. Du bremst nicht erst in der Röhre. Der Ablauf in der Röhre selbst steht unter Im Tunnel fahren.

So bleibst du orientiert

  1. Scheibe innen und außen klar machen, bevor die Sonne flach steht. Schlieren sind im Gegenlicht stärker als am Mittag.
  2. Blende herunter, Sitz so, dass du unter dem Strahl noch die Fahrbahn siehst. Nicht über die Blende in die Sonne schauen.
  3. Abblendlicht einschalten, damit Hinterherfahrende und Entgegenkommende dich sehen.
  4. Tempo so wählen, dass die noch sichtbare Strecke zum Anhalten reicht.
  5. Blick auf den rechten Rand oder die Markierung legen und den Verkehr daneben mitnehmen, ohne in die Scheibe zu starren.
  6. Abstand vergrößern. Überholen und knappes Einscheren bleiben aus, solange die Gegenrichtung nur noch hell ist.

Häufige Fehler

  • Mit unverändertem Tempo weiterfahren, weil das Limit es formal noch erlaubt.
  • Durch eine stark getönte Brille in den Schatten fahren und Ampeln oder Fußgänger verlieren.
  • Die verschmierte Scheibe erst bei Blendung bemerken und dann mit der Hand wischen.
  • Im Gegenlicht einen Radfahrer überholen, den du nur als Umriss ahnst.

Tipp aus der Fahrausbildung

Probier die Sonnenblende einmal im Stand auf einem Parkplatz gegen die tiefe Sonne aus und merk dir, wie viel Fahrbahn du darunter noch siehst. Wenn die Haube schon im Licht verschwindet, brauchst du auf der Straße weniger Tempo, nicht eine andere Sitzhaltung mitten in der Fahrt.

Fragen

Reicht die Sonnenblende?

Sie schirmt den direkten Strahl ab. Schmutz auf der Scheibe, ein spätes Erkennen und der fehlende Kontrast bleiben. Tempo und Abstand kommen dazu.

Soll das Fernlicht an?

Nein, nicht gegen die tief stehende Sonne und nicht gegen den Gegenverkehr. Abblendlicht macht dich sichtbar. Fernlicht blendet die anderen zusätzlich.

Warum wird der Anhalteweg länger, obwohl die Bremse dieselbe ist?

Weil du die Gefahr später siehst. Der Reaktionsweg wächst. Der Bremsweg der Räder ist nicht kürzer geworden.

Gilt das auch auf bekannten Strecken?

Ja. Du kennst die Kurve, du siehst sie in diesem Licht aber später. Die Vertrautheit ersetzt die Sicht nicht.

Wo übe ich den Umgang damit?

In Fahrstunden der Klasse B, die in die tiefe Sonne fallen. Weitere Beiträge stehen im Ratgeber.

Weiterlesen

Redaktion JP Fahrschule. Stand: 15. Oktober 2026. Der Text beschreibt den üblichen Ablauf in der Fahrausbildung und ersetzt nicht die Bedienungsanleitung deines Fahrzeugs oder den aktuellen Gesetzestext. Eine namentliche Freigabe durch einen Fahrlehrer ist für diese Fassung noch offen.

Tags: Sicher fahren

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