Überholen von Fahrradfahrern gehört zu fast jeder Stadt- und Landfahrt und taucht in der praktischen Prüfung auf, sobald ein Rad auf deiner Strecke fährt. Du prüfst zuerst, ob die Lücke, die Sicht und der seitliche Abstand wirklich reichen. Erst dann setzt du zum Vorbeifahren an.
Der Mindestabstand ist keine Schätzung aus dem Augenwinkel. Innerorts hältst du beim Überholen mindestens 1,5 Meter, außerorts mindestens 2 Meter. Reicht der Platz nicht, wartest du.
Auf einen Blick
- Innerorts mindestens 1,5 Meter seitlicher Abstand, außerorts mindestens 2 Meter.
- Überholen nur bei freier Sicht und ohne entgegenkommenden Verkehr in deiner Ausholspur.
- Tempo deutlich verringern, nicht dicht vorbeiziehen.
- Vor dem Rechtsabbiegen keinen Radfahrer rechts schneiden.
- Drängen oder Hupen ersetzt keinen Abstand.
Inhalt
- Wann du nicht überholst
- So überholst du sicher
- Typische Fehler
- Tipp aus der Fahrausbildung
- Häufige Fragen
Wann du nicht überholst
Lass das Überholen, wenn Gegenverkehr kommt, die Sicht in einer Kurve oder vor einer Kuppe endet oder ein Radfahrer gerade selbst ausscheren könnte. Auch an Engstellen, vor Inseln und neben parkenden Autos wird der nutzbare Raum schnell zu klein. Kinder, Lastenräder und unsichere Fahrlinien brauchen noch mehr Platz als der Mindestabstand.
Biegst du rechts ab und ein Rad fährt rechts von dir geradeaus weiter, bleibst du dahinter. Vorbeiziehen und dann Abbiegen schneidet den Radweg. Auf einem benutzungspflichtigen Radfahrstreifen mit durchgezogener Linie hast du nichts zu suchen. Einen Schutzstreifen darfst du bei Bedarf mitbenutzen, aber nur, wenn du Radfahrende dabei nicht gefährdest oder bedrängst.
So überholst du sicher
1. Lage und Tempo lesen
Erkenne früh, wie der Radfahrer fährt: dicht am Rand, mit Abstand zu Autotüren oder leicht schlingernd. Nimm Gas weg, bevor du aufschließt. Der Abstand nach hinten zum Rad zählt schon vor dem Ausscheren.
2. Spiegel, Blinker, Gegenfahrbahn
Schau in den Innenspiegel, den linken Außenspiegel und über die Schulter. Setze den linken Blinker erst, wenn du wirklich überholen willst und die Gegenfahrbahn oder Nachbarspur frei ist. Ist sie belegt, bleibst du dahinter und versuchst es später erneut.
3. Mit Abstand vorbeifahren
Scher so weit aus, dass innerorts mindestens 1,5 Meter und außerorts mindestens 2 Meter zwischen dir und dem Rad bleiben. Die eigene Spur reicht dafür oft nicht. Dann holst du weiter aus, aber nur wenn niemand entgegenkommt und du niemanden gefährdest. Auch eine durchgezogene Linie darfst du dafür überfahren, sofern der Gegenverkehr frei ist und der Mindestabstand sonst nicht einzuhalten wäre.
4. Nicht zu früh einscheren
Zieh erst nach rechts zurück, wenn du den Radfahrer im Innenspiegel siehst und genug Längsabstand hast. Blinke rechts, bevor du einscherst. Beschleunige ruhig, nicht mit einem Satz.
5. Danach wieder einordnen
Kehr auf normale Geschwindigkeit für die Straße zurück und behalte den Radverkehr im Blick. Folgen mehrere Räder hintereinander, überholst du nur, wenn du die ganze Gruppe mit Abstand schaffen kannst. Sonst wartest du.
Typische Fehler
Zu dicht vorbeiziehen
Falsch: Du bleibst in deiner Spur und ziehst im letzten Moment nur ein Stück nach links, weil Gegenverkehr weit weg zu sein scheint.
Warum: Ein Schlenker des Rades, eine Böe oder eine sich öffnende Autotür braucht den seitlichen Puffer. Unter 1,5 Meter innerorts oder unter 2 Meter außerorts ist der Abstand zu klein.
Richtig: Nur überholen, wenn der volle Abstand in die freie Fläche passt. Sonst dahinter bleiben.
Rechtsabbieger schneidet das Rad
Falsch: Du überholst einen Radfahrer kurz vor deiner Rechtsabbiegung und ziehst dann vor ihm herüber.
Warum: Der Radfahrer fährt oft geradeaus weiter. Du nimmst ihm den Weg genau in der Kreuzung.
Richtig: Rechtzeitig Tempo wegnehmen und hinter dem Rad bleiben, bis du abbiegen kannst, ohne seinen Weg zu kreuzen.
Drängen mit der Hupe
Falsch: Du hupst und fährst dicht auf, damit der Radfahrer den Rand freimacht.
Warum: Erschrecken führt zu Schlenkern. Der Radfahrer darf den nötigen Raum zum Fahrbahnrand nutzen, besonders neben parkenden Autos.
Richtig: Abstand halten und warten, bis ein sicheres Vorbeifahren möglich ist.
Tipp aus der Fahrausbildung
Such dir am Fahrbahnrand einen festen Bezug, etwa eine Autotürbreite plus deutlichen Extraabstand, statt nur zu schätzen, dass es schon irgendwie reicht. In der Fahrstunde spricht ihr den Moment laut an: jetzt warten, jetzt reicht die Lücke, jetzt zurück nach rechts. Dieses laute Entscheiden überträgst du später in die Prüfung.
Häufige Fragen
Wie viel Abstand brauche ich zum Fahrrad?
Beim Überholen mindestens 1,5 Meter innerorts und mindestens 2 Meter außerorts. Mehr ist sinnvoll bei Kindern, Lastenrädern, Nässe oder Seitenwind.
Darf ich über eine durchgezogene Linie ausholen?
Ja, wenn du nur so den seitlichen Mindestabstand einhalten kannst und der Gegenverkehr nicht gefährdet wird. Ist die Gegenfahrbahn belegt, bleibt du hinter dem Rad.
Darf ich rechts an einem Radfahrer vorbeifahren?
Das Überholen erfolgt links. Rechts vorbeiziehen, um danach selbst rechts abzubiegen, ist der klassische Konflikt mit geradeaus fahrenden Radfahrern.
Was gilt neben parkenden Autos?
Radfahrende halten oft Abstand zu Türen. Diesen Raum rechnest du zusätzlich ein und überholst nur, wenn danach immer noch der Mindestabstand bleibt.
Muss ich auf dem Schutzstreifen bleiben?
Nein. Einen Schutzstreifen darfst du bei Bedarf befahren, ohne Radfahrende zu gefährden. Einen baulich getrennten oder durchgezogen markierten Radfahrstreifen lässt du frei.
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Redaktion JP Fahrschule. Stand: 15. Oktober 2026. Der Text beschreibt den üblichen Ablauf in der Fahrausbildung und ersetzt nicht die Bedienungsanleitung deines Fahrzeugs oder den aktuellen Gesetzestext. Eine namentliche Freigabe durch einen Fahrlehrer ist für diese Fassung noch offen.







