Reifenprofil und Reifenalter erkennen

Profiltiefe eines Autoreifens wird mit einer Profillehre gemessen.
Profiltiefe eines Autoreifens wird mit einer Profillehre gemessen.

Profil und Alter entscheiden, ob ein Reifen noch Wasser ableitet oder nur noch so aussieht. Du lernst, die gesetzliche Untergrenze von der Empfehlung aus der Ausbildung zu trennen und das Herstelldatum auf der Flanke zu lesen. Zuerst suchst du die Verschleißanzeigen in den Rillen, nicht eine einzelne Stelle, die noch gut wirkt.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Gesetzliches Mindestprofil: 1,6 Millimeter, gemessen an der abgefahrensten Stelle.
  • Orientierung aus der Praxis: Sommerreifen oft etwa 3 Millimeter, Winterreifen oft etwa 4 Millimeter.
  • Kleine Stege in den Hauptrillen, die Verschleißanzeigen, liegen auf Höhe des Profils, wenn 1,6 Millimeter erreicht sind.
  • Das Alter steht als vierstellige Zahl am Ende der DOT-Kennung: die ersten zwei Ziffern die Woche, die letzten zwei das Jahr.
  • Risse, Beulen oder poröses Gummi sind ein Grund zum Wechsel, auch wenn die Rillen noch tief sind.

Inhalt

Wann du Profil und Alter prüfst

Schau die Reifen an, bevor die nasse Jahreszeit kommt, nach einem Bordsteinkontakt und immer dann, wenn das Auto auf einer Seite anders zieht. Ein Reifen kann in der Mitte noch tief sein und an der Schulter schon blank. Das zählt die flachste Stelle im Hauptprofil, nicht der optische Eindruck von schräg oben. Ein Notrad im Kofferraum altert mit, auch wenn es nie die Straße gesehen hat.

Die Bedienungsanleitung und die Reifenunterlagen deines Herstellers sagen, ab welchem Alter sie eine Prüfung oder einen Austausch nahelegen. Ein festes Höchstalter als einzelne Jahreszahl steht nicht als zeitlose Gesetzesgrenze in diesem Text. In der Ausbildung behandeln wir Risse, Beulen und eine ausgehärtete Flanke als Stoppschild, unabhängig von der Rillentiefe. Die gesetzliche Untergrenze von 1,6 Millimetern ist das Minimum, nicht das Ziel. In der praktischen Prüfung der Führerscheinklasse B kann genau diese Unterscheidung gefragt sein: was noch erlaubt ist und was du schon vorher wechselst.

So liest du den Reifen

1. Die Verschleißanzeigen finden

In den breiten Längsrillen sitzen schmale Querstege. Auf der Schulter zeigen oft kleine Pfeile oder die Buchstaben TWI, wo diese Stege liegen. Fahre mit dem Finger durch die Rille. Ist der Steg noch deutlich tiefer als das umliegende Profil, hast du Reserve bis zur gesetzlichen Untergrenze. Liegt der Steg auf einer Höhe mit dem Gummi, bist du bei 1,6 Millimetern.

2. An mehreren Stellen messen

Ein Profiltiefenmesser gehört in die Hauptrille, senkrecht, an innen, Mitte und außen, und das an jedem Rad. Der kleinste Wert gilt. Miss nicht auf den kleinen Stegen selbst und nicht im Feinschnitt einer Lamelle. Eine Münze ist nur ein grober Hinweis, weil der Rand nicht auf 1,6 Millimeter geeicht ist.

3. Orientierung und Gesetz auseinanderhalten

1,6 Millimeter sind die gesetzliche Untergrenze. Darunter ist der Reifen abgefahren, auch wenn er noch schwarz und rund aussieht. Für den Alltag merken wir uns eine frühere Schwelle: bei Sommerreifen oft etwa 3 Millimeter, bei Winterreifen oft etwa 4 Millimeter. Das sind Orientierungen, damit Wasser und Schneematsch noch eine Rille finden. Sie ersetzen nicht den Gesetzestext, sie liegen bewusst darüber.

4. Das Herstelldatum lesen

Auf der Flanke steht eine DOT-Kennung. Am Ende sitzt ein Oval mit vier Ziffern. 1524 bedeutet Woche 15 im Jahr 2024. Die vielen anderen Zahlen auf der Flanke sind Größe, Tragfähigkeit oder Geschwindigkeit, nicht das Datum. Steht nur eine dreistellige Zahl, ist der Reifen aus einer sehr alten Prägung. Den lässt du prüfen, statt ihn weiterzufahren.

5. Die Flanke abtasten

Beulen, Schnitte und ein Netz aus feinen Rissen siehst du am besten in Gegenlicht, das Rad etwas eingeschlagen. Eine Beule bedeutet, dass das Gefüge darunter beschädigt sein kann. Damit fährst du nicht weiter zur Werkstatt über die Autobahn, sondern lässt das Rad vor Ort beurteilen. Poröses Gummi an einem alten Reserverad ist derselbe Befund, auch bei tiefem Profil.

Häufige Fehler

Nur die Mitte messen. Zu wenig Druck nutzt die Schultern stärker ab, zu viel Druck die Mitte. Wer nur eine Stelle prüft, übersieht die blanke Kante. Richtig ist der kleinste Wert über die Lauffläche.

1,6 Millimeter als guten Winterwert behandeln. An dieser Grenze ist der Reifen gesetzlich am Ende, die Lamellen können Matsch kaum noch aufnehmen. Die Orientierung von etwa 4 Millimetern für Winterreifen liegt bewusst höher. Wechseln, bevor die Stege bündig sind, wenn du bei Schnee unterwegs bist.

Das Datum mit der Reifengröße verwechseln. Eine Zahl wie die Dimension auf der Flanke ist kein Produktionsdatum. Nur die vier Ziffern am Ende der DOT-Kennung nennen Woche und Jahr. Im Zweifel die Stelle mit einem Finger abfahren, bis das Oval kommt.

Einen alten, aber tief profilierten Reifen für neu halten. Gummi härtet, auch im Keller. Risse an der Flanke oder eine vom Hersteller genannte Altersgrenze sind dann entscheidender als die Rillentiefe. Ein Reserverad prüfst du mit demselben Blick.

Tipp aus der Fahrausbildung

Wir trennen zwei Sätze, die sich leicht vermischen: Der Steg in der Rille ist der gesetzliche Boden. Der Profilmesser ist die Reserve, die du dir vorher gönnst. In der Fahrzeugkontrolle an der Fahrschule zeigen wir einmal mit der Lampe schräg über die Lauffläche. Abgefahrene Kanten glänzen dann, tiefe Rillen bleiben dunkel. Dieses Lichtspiel merkst du dir schneller als eine einzelne Millimeterzahl.

Häufige Fragen

Wo genau messe ich die 1,6 Millimeter?

In den Hauptrillen der Lauffläche, an der Stelle, die am flachsten ist. Die schmalen Lamellen und die Stege der Verschleißanzeige zählen nicht als Messpunkt. Der Reifen ist an dem Rad maßgeblich, das den kleinsten Wert hat.

Warum ist innen mehr abgefahren als außen?

Häufig stimmen Luftdruck oder Spureinstellung nicht, manchmal ist es die Folge von vielen Kreisverkehren mit derselben Belastung. Einmal messen reicht dann nicht. Druck prüfen und, wenn die Kante blank ist, die Werkstatt auf die Achsgeometrie schauen lassen.

Darf ich einen Reifen mit genug Profil und Rissen weiterfahren?

Nein. Risse und Beulen sind ein Schaden am Aufbau, nicht ein Schönheitsfehler. Die Profiltiefe sagt darüber nichts. Lass das Rad prüfen, bevor du damit schneller als Schritttempo unterwegs bist.

Steht irgendwo ein gesetzliches Höchstalter?

Verlass dich nicht auf eine einzelne Jahreszahl aus dem Gedächtnis. Maßgeblich sind Zustand, die Angaben des Reifenherstellers und, wenn eine behördliche Regel eine Frist setzt, der aktuelle Verordnungstext. In der Ausbildung tauschen wir lieber einen rissigen Reifen mit tiefem Profil als einen jungen Reifen mit blanker Lauffläche zu ignorieren.

Gelten vorn und hinten dieselben Werte?

Die gesetzliche Untergrenze gilt für jedes Rad. Die Abnutzung nicht: Angetriebene Räder werden oft schneller flach. Deshalb misst du alle vier. Deutlich unterschiedliche Tiefen auf einer Achse gehören in die Werkstatt, nicht in einen Kompromiss.

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Redaktion JP Fahrschule. Stand: 15. Oktober 2026. Der Text beschreibt den üblichen Ablauf in der Fahrausbildung und ersetzt nicht die Bedienungsanleitung deines Fahrzeugs oder den aktuellen Gesetzestext. Eine namentliche Freigabe durch einen Fahrlehrer ist für diese Fassung noch offen.

Tags: Fahrzeugtechnik und Wartung

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